Der Stoffwechsel spinnt
Kann Hypoxietraining den Stoffwechsel verändern?
Was mich die Geschichte meiner Schwiegermutter Hilde gelehrt hat
Worum geht es in diesem Artikel?
- Warum erhöhte Blutzuckerwerte nicht das Ende der Geschichte sein müssen.
- Was Höhenmedizin und Stoffwechsel miteinander zu tun haben.
- Warum der richtige Trainingsreiz oft wichtiger ist als die Trainingsmethode.
- Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse unsere Erfahrungen heute erklären.
- Warum Gesundheit häufig mit einem kleinen ersten Schritt beginnt.
Lesezeit: ca. 10 Minuten
Mehr Energie. Ein aktiver Stoffwechsel. Neue Lebensfreude. Was eine persönliche Geschichte mit aktueller Wissenschaft verbindet.
Eigentlich wollte meine Schwiegermutter nur wieder mehr Energie haben. Zehn Wochen später hatte sie sieben Kilogramm abgenommen – doch das war für sie gar nicht das Wichtigste.
Viel wichtiger war, dass sie plötzlich wieder Lust hatte, in ihren Garten zu gehen, sich mit Freundinnen zu treffen, nach der Arbeit nicht mehr erschöpft auf das Sofa zu fallen, sondern das Leben wieder aktiv zu gestalten. Genau deshalb erzähle ich heute ihre Geschichte – nicht, weil sie sieben Kilogramm verloren hat, sondern weil sie mir einmal mehr gezeigt hat, worum es bei Gesundheit wirklich geht.
Gesundheit beginnt selten auf der Waage. Sie beginnt oft in dem Moment, in dem wir wieder die Energie haben, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Ich habe lange überlegt, ob ich diese Geschichte erzählen soll. Sie handelt von meiner Schwiegermutter Hilde, die mir erlaubt hat, ihre Geschichte zu erzählen, weil sie hofft, dass sie auch anderen Menschen Mut macht.
In den vergangenen zwanzig Jahren durfte ich Olympiasieger begleiten, mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten und tausende Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität unterstützen. Viele dieser Begegnungen haben mich geprägt. Doch Geschichten wie die von Hilde erinnern mich immer wieder daran, warum ich diesen Beruf eigentlich gewählt habe – denn hinter jeder Laboranalyse, jedem Trainingsplan und jeder wissenschaftlichen Studie steht am Ende immer ein Mensch.
Als plötzlich die Lebensfreude verschwand
Vor einigen Jahren verlor Hilde ihren Mann. Er starb mit gerade einmal 60 Jahren an Krebs. Wer einen geliebten Menschen verliert, verliert oft weit mehr als einen Partner – mit der Zeit verschwinden häufig auch Energie, Motivation und Lebensfreude. Genau das geschah bei Hilde.
Von außen schien zunächst alles normal. Sie ging weiterhin jeden Tag zur Arbeit, sie funktionierte. Doch innerlich hatte sich vieles verändert: Früher verbrachte sie jede freie Minute in ihrem Garten, liebte ihre Blumen, war ständig draußen. Nach dem Tod ihres Mannes blieb die Gartenschere immer häufiger liegen. Nach Feierabend setzte sie sich meist nur noch auf das Sofa – nicht, weil sie faul geworden war, sondern weil ihr schlicht die Energie fehlte.
Hinzu kamen Gelenkbeschwerden. Längere Spaziergänge machten ihr zunehmend Mühe. An Sport war in dieser Situation gar nicht zu denken – nicht weil Bewegung nicht wichtig gewesen wäre, sondern weil ihr Körper und ihre mentale Verfassung dafür einfach noch nicht bereit waren.
KOMMT DIR DAS BEKANNT VOR?
Du weißt eigentlich, dass Bewegung guttun würde. Aber genau dafür fehlt dir die Energie. Oder Schmerzen bremsen dich aus.
Man ist nicht wirklich krank. Aber man fühlt sich auch nicht gesund. Man funktioniert. Doch die Leichtigkeit des Lebens scheint verloren gegangen zu sein.
Erhöhte Blutzuckerwerte wurden zum Weckruf
Bei einer Routineuntersuchung stellte ihr Arzt erhöhte Blutzuckerwerte fest. Sie lagen bereits in einem Bereich, der auf einen Prädiabetes – die Vorstufe eines Typ-2-Diabetes – hindeutete. Für viele Menschen ist das zunächst nur ein Laborwert. Für mich als Sportwissenschaftler war es ein Warnsignal.
Nicht weil Prädiabetes zwangsläufig zu einem Typ-2-Diabetes führt, sondern weil unser Stoffwechsel oft schon viele Jahre vorher beginnt, aus dem Gleichgewicht zu geraten: Der Zuckerstoffwechsel funktioniert nicht mehr optimal, die Insulinsensitivität nimmt ab, und der Körper verliert zunehmend seine metabolische Flexibilität – also die Fähigkeit, je nach Bedarf zwischen Zucker- und Fettverbrennung zu wechseln.
Ich stellte mir damals nur eine einzige Frage: Wie können wir Hilde helfen, ohne sie zu überfordern?
Menschen verändern ihr Leben selten, weil sie müssen. Sie verändern ihr Leben, weil sie plötzlich wieder die Energie dazu haben.
Kleine Schritte statt großer Vorsätze
Wir wollten Hilde nicht überfordern. Natürlich wäre regelmäßige Bewegung langfristig wichtig gewesen, aber sie war damals noch nicht an dem Punkt, an dem Sport für sie eine realistische Option war – zum einen fehlte ihr die Energie, zum anderen machten ihr Gelenkbeschwerden längere Spaziergänge zunehmend schwer.
Deshalb suchten wir nach einem Einstieg, der zu ihrer Lebensrealität passte – nicht nach einer kurzfristigen Lösung, sondern nach einem ersten Impuls, den sie dauerhaft in ihren Alltag integrieren konnte. Wir vereinbarten deshalb nur zwei Veränderungen: Abends reduzierte sie größere Mengen Kohlenhydrate, und ich entwickelte für sie ein individuelles IHT-Programm (Intervall-Hypoxie-Training).
Vielleicht überrascht dich das: Viele verbinden Hypoxietraining heute automatisch mit IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training). Für Hilde entschied ich mich jedoch ganz bewusst für ein angepasstes IHT-Konzept. Warum? Weil ich in all den Jahren eines gelernt habe:
Nicht die Methode entscheidet über den Erfolg. Der richtige Trainingsreiz entscheidet.
Wir begannen mit klassischen Hypoxieintervallen. Doch Woche für Woche verlängerten wir die Hypoxiephasen – immer angepasst an ihre Reaktion – bis Hilde schließlich nahezu eine Stunde kontrolliert Höhenluft atmete. Genau diesen längeren Hypoxiereiz hielt ich in ihrer Situation für sinnvoll: nicht weil IHT grundsätzlich besser wäre als IHHT, sondern weil jede Trainingsform einen anderen physiologischen Reiz setzt und jeder Mensch anders reagiert.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir bei Altitude Balance seit über zwanzig Jahren keine Standardprogramme entwickeln. Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit, andere Ziele, andere Erfahrungen, andere Herausforderungen. Deshalb beginnt bei uns jedes Trainingskonzept nicht mit der Frage „Welches Gerät passt?", sondern mit einer viel wichtigeren Frage: „Welcher Trainingsreiz bringt diesen Menschen seinem persönlichen Ziel am nächsten?" Ob daraus ein klassisches IHT, ein IHHT, funktionelle Hypoxie, ein Höhenzelt oder ein Höhentraining im Höhenraum entsteht, ist zunächst zweitrangig. Entscheidend ist, dass der Trainingsreiz zum Menschen passt.
Das Überraschende war nicht die Waage
Der Garten, der wieder zu einem Ort der Freude wurde
Schon nach wenigen Wochen fiel uns etwas auf – nicht ihr Gewicht, nicht ihre Blutwerte, sondern Hilde selbst. Nach der Arbeit setzte sie sich nicht mehr automatisch auf das Sofa: Sie ging wieder hinaus, arbeitete wieder in ihrem Garten, traf sich mit Freundinnen, lachte häufiger, schmiedete wieder Pläne. Sie hatte wieder Energie.
Und noch etwas veränderte sich: Die Gelenkbeschwerden, die sie lange Zeit begleitet hatten, wurden deutlich weniger. Ob das auf die Gewichtsabnahme, ihre wiedergewonnene Aktivität oder andere Anpassungsprozesse ihres Körpers zurückzuführen war, lässt sich heute nicht sicher sagen – für Hilde spielte das allerdings keine Rolle. Sie konnte sich wieder leichter bewegen, und genau das gab ihr noch mehr Motivation.
Für mich war genau das der eigentliche Erfolg. Denn Energie verändert Verhalten. Und Verhalten verändert oft ein ganzes Leben.
Zehn Wochen später
Nach rund zehn Wochen hatte Hilde sieben Kilogramm abgenommen. Doch noch wichtiger war etwas anderes: Sie fühlte sich wieder wie die Hilde, die wir von früher kannten. Bei der nächsten Kontrolluntersuchung stellte ihr Arzt fest, dass sich ihre Stoffwechselwerte deutlich verbessert hatten – auch die zuvor erhöhten Blutzuckerwerte lagen wieder im Normalbereich.
Natürlich wäre es unseriös zu behaupten, dass allein das Hypoxietraining dafür verantwortlich war. Wahrscheinlich war es das Zusammenspiel verschiedener Faktoren: der individuell gesetzte Hypoxiereiz, die kleine Ernährungsumstellung, mehr Bewegung im Alltag, mehr Motivation, mehr Lebensfreude.
Gesundheit entsteht selten durch eine einzige Maßnahme. Sie entsteht meist dann, wenn mehrere positive Veränderungen ineinandergreifen.
Eine Frage ließ mich nicht mehr los
War Hildes Geschichte einfach nur Zufall? Oder steckt dahinter ein biologischer Mechanismus? Diese Frage beschäftigt mich bis heute. Und genau an dieser Stelle beginnt eine wissenschaftliche Reise, die uns von Hildes Garten bis auf die höchsten Berge der Welt führt. Denn genau dort haben Forscher etwas entdeckt, das unser Verständnis von Stoffwechsel, Fettverbrennung und metabolischer Gesundheit nachhaltig verändert hat.
War Hildes Geschichte wirklich Zufall?
Was die Berge, moderne Höhenmedizin und aktuelle Forschung darüber verraten
Expeditionen wie diese lieferten die ersten Hinweise auf einen veränderten Stoffwechsel in großer Höhe
„Der Stoffwechsel spinnt."
Als ich diese Überschrift der Schweizer Bergjournalistin Natascha Knecht zum ersten Mal las, musste ich schmunzeln – denn genau das schien tatsächlich zu passieren. Eigentlich erwarten wir, dass unser Körper unter Sauerstoffmangel möglichst sparsam arbeitet. Doch genau das beobachteten die Forscher nicht.
Während einer Expedition Schweizer Höhenmediziner auf den Muztagh Ata (7.546 m) und den Pik Lenin (7.134 m) wurden Bergsteiger regelmäßig untersucht. Die Wissenschaftler wollten verstehen, wie sich der menschliche Stoffwechsel in extremer Höhe verändert. Dabei machten sie eine faszinierende Beobachtung: Mit zunehmender Höhe veränderte sich der Energiestoffwechsel – der Körper schien verstärkt auf den Fettstoffwechsel zurückzugreifen.
Für mich war dieser Artikel ein Schlüsselmoment. Nicht weil ich dachte, dass jetzt jeder Mensch einen Viertausender besteigen sollte, sondern weil sich plötzlich eine viel spannendere Frage stellte: Kann man diese natürlichen Anpassungsmechanismen auch kontrolliert nutzen – ohne jemals einen Berg besteigen zu müssen? Diese Frage ließ mich nicht mehr los.
Eigentlich spinnt unser Stoffwechsel gar nicht
Je länger ich mich mit der Höhenphysiologie beschäftigte, desto klarer wurde mir: Unser Stoffwechsel spinnt überhaupt nicht. Er macht genau das, was er seit Millionen Jahren gelernt hat – er passt sich an.
Unser Körper reagiert permanent auf Reize. Trainierst du deine Muskulatur, baut sie sich auf. Trainierst du deine Ausdauer, verbessert sich dein Herz-Kreislauf-System. Kälte löst andere Anpassungsprozesse aus. Und sinkt der Sauerstoffgehalt, aktiviert unser Organismus ebenfalls ein hochkomplexes biologisches Programm. Unser Körper macht unter Sauerstoffmangel keine Fehler – er folgt einem uralten Überlebensprogramm.
DER BIOLOGISCHE SCHALTER
Heute wissen wir, dass dabei unter anderem ein biologischer Schalter aktiviert wird, den Wissenschaftler HIF-1α (Hypoxia Inducible Factor 1-alpha) nennen.
Dieser Mechanismus beeinflusst zahlreiche Prozesse im Körper – unter anderem den Energie-, Zucker- und Fettstoffwechsel, die Funktion unserer Mitochondrien sowie die Bildung neuer Blutgefäße. Für die Entdeckung dieser Mechanismen wurde 2019 der Nobelpreis für Medizin verliehen.
Für mich war das weniger eine Überraschung als vielmehr die wissenschaftliche Erklärung für vieles, was wir in der Praxis bereits seit Jahren beobachtet hatten. Genau diese Fähigkeit macht kontrolliertes Hypoxietraining so faszinierend – nicht weil wir dem Körper etwas Unnatürliches antun, sondern weil wir einen Trainingsreiz setzen, auf den unser Organismus evolutionär vorbereitet ist.
Von den Bergen in unsere tägliche Arbeit
Prof. Dr. med. Hermann Buhl (†) Langjähriger medizinischer Direktor von Altitude Balance. Sein Leitsatz „Der Körper reagiert nicht auf Höhe. Er reagiert auf den Reiz." prägt unsere Arbeit bis heute.
Genau diese Fragestellung beschäftigte auch Prof. Dr. med. Hermann Buhl, unseren langjährigen medizinischen Direktor. Hermann war für mich weit mehr als ein Mediziner – er war Mentor, Sparringspartner und einer der Menschen, die meine Sicht auf das Hypoxietraining nachhaltig geprägt haben.
Er gehörte zu den wenigen Wissenschaftlern, die Forschung nie nur im Labor verstanden haben. Er wollte immer wissen: Was bedeuten diese Erkenntnisse für den Menschen im Alltag?
Gemeinsam stellten wir uns deshalb immer wieder dieselbe Frage: Lässt sich der Stoffwechsel durch kontrollierte Hypoxie gezielt beeinflussen? Nicht irgendwo im Hochgebirge. Sondern im Alltag. Unter kontrollierten Bedingungen. Mit Menschen wie Hilde.
Unsere Beobachtungen
In den folgenden Jahren begleiteten wir tausende Menschen mit ganz unterschiedlichen Zielen: Olympiasieger, Freizeitsportler, Patienten, Unternehmer, Menschen mit Übergewicht, Menschen mit Prädiabetes, Menschen, die einfach wieder mehr Energie haben wollten.
Natürlich betrachteten wir unsere Beobachtungen nie isoliert. Ernährung. Bewegung. Schlaf. Stress. All diese Faktoren gehören für mich bis heute zu einem erfolgreichen Trainingskonzept.
Dennoch fiel uns immer wieder etwas auf: Ab einer simulierten Höhe von ungefähr 4.000 Metern schien sich bei vielen Anwendern der Stoffwechsel deutlich zu verändern. Natürlich reagierte nicht jeder Mensch gleich, und selbstverständlich war das nie unabhängig von den übrigen Lebensstilfaktoren. Trotzdem beobachteten wir immer wieder ein ähnliches Muster – der Körper schien verstärkt auf den Fettstoffwechsel zurückzugreifen.
Damals war das zunächst eine Beobachtung aus unserer täglichen Arbeit. Mehr nicht. Heute gibt es immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse, die genau diese Richtung unterstützen und viele unserer damaligen Beobachtungen besser erklären.
Ein Satz, der mich bis heute begleitet
EIN SATZ, DER BLEIBT
Hermann sagte einmal einen Satz, den ich nie vergessen werde:
„Der Körper reagiert nicht auf Höhe. Er reagiert auf den Reiz."
Damals fand ich diesen Satz spannend. Heute begleitet er mich bei jedem Trainingskonzept. Denn genau darin liegt aus meiner Sicht der größte Denkfehler vieler Diskussionen über Hypoxietraining: Es geht nicht darum, möglichst hoch zu trainieren. Es geht nicht darum, möglichst lange Höhenluft zu atmen. Und es geht auch nicht darum, ob IHT (Intervall-Hypoxie-Training) oder IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training) grundsätzlich besser ist. Entscheidend ist immer der Trainingsreiz.
Was die Wissenschaft heute erklärt
Was mich besonders freut: Viele unserer praktischen Beobachtungen lassen sich heute immer besser wissenschaftlich erklären.
Ein wichtiger Meilenstein war für mich die Zusammenarbeit mit der Charité Berlin, dem Franz-Volhard Clinical Research Center und weiteren Forschungspartnern. Gemeinsam untersuchten wir, wie sich moderates Training unter normobarer Hypoxie auf Menschen mit Übergewicht auswirkt. Die Ergebnisse zeigten Verbesserungen der Körperzusammensetzung und metabolischer Risikofaktoren – und das trotz einer geringeren mechanischen Belastung. Gerade für Menschen, die wie Hilde zunächst noch nicht belastbar sind, eröffnet dieser Ansatz spannende Möglichkeiten.
Auch die Arbeiten von Prof. Dr. Thomas Küpper, einem der renommiertesten Höhenmediziner im deutschsprachigen Raum, lieferten wichtige Erkenntnisse darüber, wie Sauerstoffmangel den Energiestoffwechsel beeinflusst. Besonders die Veränderungen im Fettstoffwechsel in großer Höhe passten erstaunlich gut zu dem, was wir bereits viele Jahre zuvor in unserer täglichen Praxis beobachtet hatten.
Später folgten weitere Untersuchungen, unter anderem von Prof. Dr. Florian Lippl auf der Zugspitze. Als ich diese Ergebnisse las, musste ich sofort an Hilde denken – nicht weil ihre Situation direkt vergleichbar gewesen wäre, sondern weil beide dieselbe Frage aufwarfen: Wie reagiert unser Stoffwechsel auf Sauerstoffmangel?
Die Teilnehmer verloren trotz nahezu unveränderter körperlicher Aktivität an Gewicht. Gleichzeitig veränderten sich Grundumsatz und Appetitverhalten. Auch diese Beobachtungen zeigen, wie komplex die Anpassungsmechanismen unseres Körpers sind.
Heute beschäftigen sich Forschungsgruppen weltweit mit den Auswirkungen kontrollierter Hypoxie auf den Zuckerstoffwechsel, die Insulinsensitivität, Prädiabetes und Typ-2-Diabetes. Die Forschung entwickelt sich rasant – und vieles von dem, was wir über Jahre in der Praxis beobachtet haben, lässt sich heute immer besser wissenschaftlich erklären.
Mein persönliches Fazit
Wenn ich heute auf Hildes Geschichte zurückblicke, sehe ich sie mit anderen Augen. Damals wollte ich einfach nur meiner Schwiegermutter helfen. Heute weiß ich, dass sie mir gleichzeitig geholfen hat, meine eigene Philosophie weiterzuentwickeln.
Sie hat mir gezeigt, dass Gesundheit selten mit einer radikalen Veränderung beginnt, sondern mit dem richtigen Impuls. Mit dem richtigen Reiz. Zur richtigen Zeit. Für den richtigen Menschen. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus über zwanzig Jahren Hypoxietraining.
Nicht die Methode entscheidet über den Erfolg. Der richtige Trainingsreiz entscheidet.
IN MEMORIAM
Dieser Artikel ist dem Andenken an Prof. Dr. med. Hermann Buhl gewidmet. Er hat mich gelehrt, wissenschaftliche Erkenntnisse nie isoliert zu betrachten, sondern immer den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Seine Neugier, seine Bescheidenheit und seine Leidenschaft für die Höhenmedizin prägen unsere Arbeit bei Altitude Balance bis heute.